Kenne deinen Lokal-Journalisten

Was ist in der Pressearbeit noch besser als ein Artikel im Handelsblatt? Richtig, zwei Artikel im Handelsblatt. Im Zuge der Emanzipation unserer Branche werden nationale Tages- und Wirtschaftsmedien immer wichtiger. Nahezu jeder Marktteilnehmer hat inzwischen Ambitionen, in den größten und reichweitenstärksten Zeitungen, TV-Formaten, Online-Portalen und Radiosendern dieser Republik präsent zu sein. Und das ist auch gut so. Schließlich ist die transparente Immobilienkommunikation so wichtig wie nie zuvor, um der öffentlichen Diskussion über steigende Mieten und der gesellschaftlichen Skepsis gegenüber unserer Branche zu begegnen.

Ambitionierte Presseaktivitäten sind also wichtig. Doch mindestens ebenso wichtig ist eine Disziplin, die außerhalb des Privatkundengeschäfts häufig stiefmütterlich behandelt wird: Die Lokal-PR. Dabei gibt es gute Gründe, mit Medienvertretern vor Ort zu sprechen, die in ihren Heimatregionen zum Teil deutlich höhere Reichweiten erzielen als eine Süddeutsche Zeitung, FAZ oder eben das Handelsblatt. Also stellen Sie sich doch einmal selbst die Frage: Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal mit „Ihrem“ Lokal-Journalisten gesprochen?

Stellen wir uns einfach mal das folgende fast schon alltägliche Szenario unserer Branche vor: Ein (inter)nationaler Investor erwirbt ein Gewerbeimmobilien-Portfolio, das unter anderem mehrere tausend Quadratmeter Bürofläche in Erfurt (gut, die Landeshauptstadt ist nicht allzu „alltäglich“, aber ein toller Standort) beinhaltet. Die klassische Strategie der Pressearbeit lautet: Pressemitteilung verschicken, Deal und Strategie erläutern, Berater nennen – und je nach Größe der Transaktion noch auf Fach- oder Wirtschaftsjournalisten persönlich zugehen. Schließlich soll der Deal ja auch hinreichend kommuniziert werden. Doch jemand fehlt in dieser Auflistung – richtig, die Lokalmedien. Denn was passiert eigentlich, wenn es in dem Gewerbeimmobilien-Portfolio einmal zu Problemen kommt? Bauliche Mängel, hohe Leerstände oder Kündigungen von Ankermietern. Über all diese Themen berichten insbesondere Lokaljournalisten, gerade wenn es sich um großflächige Immobilien handelt. Deswegen ist es doch schön, wenn man in guten Zeiten, nämlich in Zeiten des Ankaufs, ein Kennenlerngespräch mit den Wirtschaftsredakteuren der Tageszeitungen geführt hat. Diese hören es übrigens auch sehr gern, warum man sich für diesen Standort entschieden hat und welche Pläne man verfolgt. Schließlich sind Lokaljournalisten oft auch Lokalpatrioten.

Doch für Unternehmen sollten nicht nur die Standorte ihrer Investments eine Rolle spielen. Wichtig ist auch der Sitz des eigenen Unternehmens. Ein weiteres Beispiel: ein Immobilienunternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter an einem vergleichsweise kleinen Standort. Für Lokaljournalisten könnte diese Größe bereits ausreichend sein, um das Unternehmen als „Player am Arbeitsmarkt“ zu portraitieren. Auch hier gibt es diverse Vorteile, die sich daraus ergeben. Denken Sie einfach mal an Kooperationen mit anderen Unternehmen am Standort, das positive Image des Unternehmens in seiner Region und noch viel mehr, die Attraktivität als regionaler Arbeitgeber. Der Fachkräftemangel nimmt schließlich immer gefährlichere Züge an. Da ist es doch schön, wenn die Mutter einer Studierenden in der Zeitung von einem namhaften Immobilienunternehmen liest, das direkt in der Nachbarschaft beheimatet ist.

Lokale Pressearbeit ist also wichtig. In guten Zeiten schafft man Vertrauen, in schlechten Zeiten muss man sich darauf verlassen können. Tun Sie sich einen Gefallen und sprechen mit ihren Nachbarn. Und stellen Sie sich regelmäßig die Frage: Wann habe ich mich eigentlich das letzte Mal mit „meinem“ Lokaljournalisten getroffen?