„Journalismus habe ich mir selbst beigebracht“

Kaum in die bunte Welt der Immobilienwirtschaft eingetaucht, habe ich das große Vergnügen, ein Interview mit einem in der Branche wohl bekanntesten Journalisten zu führen. Ich treffe Dirk Labusch, Chefredakteur der „Immobilienwirtschaft“, an einem Donnerstag im April entspannt in seinem Stuhl zurückgelehnt zu einem virtuellen Gespräch über Journalismus, die Printkrise und Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft.

 

Vielen Dank, Herr Labusch, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Schreiben ist Ihr Beruf. Wollten Sie schon immer Journalist werden?

Tatsächlich, ja. Ich wollte eigentlich immer Journalistik studieren und in die Fußstapfen meines Vaters treten. Der war Journalist und Chefreporter beim Kölner Stadtanzeiger. Das Zeitungssterben war damals allerdings schon Thema und mein Vater versuchte mich daher dazu zu überzeugen, lieber etwas Richtiges zu lernen. Ich entschied mich für Jura. Den Journalismus habe ich mir später selbst beigebracht und ich muss sagen, er macht großen Spaß.

Sie sind Jurist, Journalist und Musiker. Wie kamen Sie da zur Immobilienbranche?

Musiker, nunja, das ist alles eher auf einem dilettantischen Niveau. Ich spiele ein bisschen Gitarre in einer Rentnerband. Total sexy, das können Sie mir glauben. Aber zurück zu Ihrer Frage. Eigentlich kam ich durch Zufall zur Immobilienbranche. Als ich bei Haufe anfing, war ich für das Loseblattwerk „Hausbesitzer ABC“ zuständig. Als der Verlag die Zeitschrift Immobilien „PuR Praxis und Recht“ aufkaufte, wurde ich Chefredakteur. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits für meine Glossen in der Mitarbeiterzeitung bekannt.

Reizt es Sie denn auch, einmal über etwas anderes zu schreiben?

Klar, aber ich finde irgendwie immer wieder die Verbindung zur Immobilienwirtschaft. Es gibt einfach so viele Facetten und gesellschaftlich relevante Aspekte, dass einem die Themen nicht ausgehen. Ein großer Vorteil ist natürlich, dass ich mir inzwischen ein recht großes Hintergrundwissen zur Immobilienwirtschaft angeeignet habe.

Sprechen wir einmal über ein Thema, um das gerade niemand herumkommt: Die Digitalisierung in der Immobilienbranche. Sehen Sie die eher als Fluch oder Segen?

Digitalisierung ist für unsere Branche eher ein Segen, auch wenn viele Unternehmen damit hoffnungslos überfordert sind. Sie bietet Möglichkeiten der Strukturierung und Vereinfachung sich wiederholender Prozesse und befreit die Unternehmen von unnötigem Ballast. Das schafft mehr Zeit für Kreativität und erleichtert das Leben. Schauen wir beispielsweise auf die Baubranche. Es ist unglaublich, was die Digitalisierung mit BIM dort leistet. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz macht zudem jetzt schon vieles möglich, wovon wir vor ein paar Jahren noch träumten. Was da wohl alles in den nächsten Jahren noch kommt? Ich bin sehr gespannt.

Der digitale Fortschritt birgt allerdings auch Schattenseiten. Angesichts der Printkrise und rückläufiger Werbeeinnahmen, wo geht die Entwicklung der „Immobilienwirtschaft“ hin?

Es ist kein Geheimnis, dass es für viele Medien aktuell nicht leicht ist. Corona hat die Situation nicht verbessert. Entscheidend ist: Wir müssen etwas ändern. Ich kenne mein eigenes Medienverhalten und weiß daher, dass wir neue Kanäle finden und neue Wege gehen müssen. Wir müssen die Medien verändern. Das Bedürfnis nach Meinung und Information bleibt schließlich weiterhin bestehen. Für die „Immobilienwirtschaft“ selbst entwickeln wir gerade jede Menge Neues, aber ich möchte Ihnen die Spannung nicht nehmen.

Sie machen inzwischen auch Podcasts. War es ein großer Sprung vom Schreiben zum Sprechen?

Überhaupt nicht. Als 2020 der erste Lockdown verhängt wurde, hatten wir gerade die ersten beiden Folgen unseres Podcasts aufgenommen. Von zuhause aus telefonierte ich dann mit Kontakten aus der Branche und zeichnete die Gespräche mit dem Smartphone auf. Ich wollte einfach wissen, wie es der Welt da draußen ging. Um den Schnitt kümmerte ich selbst und eine Kollegin fügte am Ende noch den Jingle ein. Das hat viel Spaß gemacht.

Verraten Sie mir zum Schluss noch Ihre liebste Anekdote aus dem Berufsalltag als Journalist?

Gerne! Es war vor einigen Jahren auf der Expo Real. Ein Unternehmen hatte damals in einer Kneipe in der Nähe der Messe den „Wettbewerb der Immobilientitel“ ausgerufen. Jeder Teilnehmer hatte fünf Minuten Zeit, auf der Bühne zu erklären, warum sein Magazin das allerbeste der Welt ist. Ich wollte beim besten Willen nicht auf diese Bühne, aber ein Kollege redete auf mich ein. Letztendlich nahm ich teil. Nur, dass ich eben nicht wie all die anderen auftrat. Ich sang über die „Immobilienwirtschaft“ und darüber, wie unschlagbar großartig wir sind. Musikalisch orientierte ich mich an „My way“ von Frank Sinatra. Fragen Sie mich nicht, wie mein Text lautete. Ich habe keine Ahnung.

Vielen Dank für das Gespräch!